„10 Regel der Kriegspropaganda“ – Kriegspropaganda in deutschen Medien?

Regel 1: Wir wollen den Krieg nicht

Die USA wollen natürlich keinen Krieg mit Venezuela, sie sind aber möglicherweise zu einer „Intervention“ gezwungen, weil der böse Präsident Maduro sein Volk hungern und keine US-Hilfe ins Land lässt. So verkaufen es uns die Medien. Auch in dem Video wird ausführlich das Leiden von Kindern geschildert, denn leidende Kinder sprechen unsere Emotionen besonders wirkungsvoll an. Und natürlich wird nach der Darstellung des Leides darauf hingewiesen, dass das „Maduro-Regime“ Hilfe nicht ins Land lässt. Und wenn man Maduro nicht schnell loswerden kann, so die nicht ausgesprochene Botschaft, braucht es eine militärische Intervention der USA, um den armen Kindern zu helfen.

Regel 2: Das gegnerische Lager ist der alleinige Verantwortliche des Krieges

Siehe Punkt eins. Natürlich wollen weder die USA noch ihre Unterstützer einen Krieg, aber wenn Maduro ihnen keine andere Wahl lässt…? Was sollen die bedauernswerten USA dann anderes tun, als einzugreifen? Das ist die Logik, die hinter aktuellen „Berichterstattung“ und auch diesem Video zu Venezuela steckt.

Regel 3: Der Führer des gegnerischen Lagers hat das Angesicht des Teufels

Wieder Maduro. Er lässt sein Volk hungern, wegen ihm leiden Kinder, er lässt keine Medikamente ins Land und so weiter und so fort. Aber nicht ein Wort davon, dass diese Situation gar nicht entstanden wäre, wenn die US-Sanktionen nicht wären. Nach Expertenberechnungen haben die Sanktionen Venezuela seit 2013 350 Milliarden Dollar gekostet. Kein Wunder, dass das Land am Boden liegt. Aber: Kein Wort davon in den Medien, dort ist der „Teufel“ Maduro an allem schuld.

Regel 4: Wir verteidigen eine gute Sache und keine Sonderinteressen

Wieder die humanitäre Situation: Es geht natürlich nur um hungernde Menschen und kranke Kinder, nicht um Venezuelas Ölreichtum und Goldvorräte. Davon kein Wort in den Artikeln der deutschen Medien oder dem Video bei Spiegel-Online heute, die das Leid der Menschen thematisieren. Die USA haben, wenn man die deutschen Medien liest, keine wirtschaftlichen Interessen in Venezuela, es geht ihnen nur um „das Gute“.

Regel 5: Der Feind begeht wissentlich Greueltaten; wenn wir hingegen Grenzen überschreiten, geschieht dies unabsichtlich

Wieder Maduro: Natürlich lässt er sein Volk kaltblütig leiden. Wenn die USA dann Venezuela angreifen, wird man möglichst wenig von „Kollateralschäden“, also zivilen Todesopfern der US-Invasion, hören. Und wenn doch, dann wird man noch Maduro beschuldigen, weil das ganze ja nur wegen ihm „notwendig“ geworden ist. Dieses Messen mit zweierlei Maß haben wir zur Genüge zum Beispiel in Syrien gesehen: Wenn bei russischen Luftangriffen Menschen zu schaden kommen, dann sind die Russen kaltblütige Mörder, wenn aber bei US-Luftangriffen Krankenhäuser zerbombt werden, dann war es ein Versehen. Das gleiche werden wir wieder in Venezuela sehen, falls es zum Krieg kommt.

Regel 6: Der Feind benutzt unzulässige Waffen

Das wird in Venezuela auch kommen. Da in Venezuela noch kein Krieg ist, nehmen wir hier wieder Syrien als Beispiel: Chemiewaffen hat gemäß unseren Medien immer Assad eingesetzt, dass Untersuchungen dafür keine Beweise gefunden haben, wird möglichst verschwiegen. Erst recht wird verschwiegen, dass aber die vom Westen unterstützte „gemäßigte Opposition“ nachweislich mehrmals Giftgas eingesetzt hat.

Regel 7: Wir erleiden nur geringe Verluste; die Verluste des Feindes sind riesig

Das werden wir erst beim Krieg selbst sehen, wenn es tatsächlich so weit kommt. Aber es stimmt in den modernen Kriegen der letzten Jahre natürlich. Die technische und militärische Überlegenheit der westlichen Armeen gegenüber ihren Gegnern machen es möglich. Dafür wird allerdings fast nie berichtet, dass bei den Kriegen des Westens im Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Jemen usw. 90% der Opfer Zivilisten sind. Im Ersten Weltkrieg waren es noch 5%. Berechnungen zufolge, ist in heutigen Kriegen die Gefahr getötet zu werden für Zivilisten neunmal so hoch, wie für Soldaten. Aber der Westen führt gemäß unseren Medien Krieg, um den Menschen zu helfen und sie zu „befreien“. Nur wie der Tod eine Befreiung sein soll, erschließt sich nicht. Aber da die Medien über diese Zahlen nicht berichten, stellt auch niemand diese lästigen Fragen.

Regel 8: Die Künstler und Intellektuellen unterstützen unsere Sache

Achten Sie mal darauf, wie oft in den Medien Prominente zu Wort kommen, die die westlichen Kriege aus moralischen Gründen gut finden. Sie haben sich in den letzten Jahren gegen Assad, Gaddafi oder Saddam ausgesprochen. Besonders deutlich wird das in amerikanischen Medien. Sollte es zu einem längeren Krieg in Venezuela kommen, werden wir auch im deutschen Fernsehen in Talkshows wieder Prominente sehen, die diesen „gerechten und humanitären“ Einsatz der USA unterstützen. Nachtrag: Am Tag, nachdem ich dies geschrieben habe, wurde gemeldet, dass ausgerechnet in der kolumbianischen Grenzstadt Cucuta ein prominent besetztes „Benefizkonzert“ für Venezuela stattfinden soll. Dort haben die USA ihren Militärstab für Venezuela eingerichtet und von dort soll die sogenannte „humanitäre Hilfe“ der USA nach Venezuela transportiert werden.

Regel 9: Unser Anliegen ist etwas Heiliges

Natürlich, schließlich geht es ja angeblich um die „heiligen“ Werte des Westens, also um Demokratie und Menschenrechte. Dafür darf man auch Menschen töten. Dass es nebenbei um Öl geht, das wird nicht berichtet. Und wie im Irak werden US-Firmen die venezoelanischen Ölquellen schnell und geräuschlos übernehmen.

Regel 10: Wer unsere Propaganda in Frage stellt, ist ein Verräter

Heute ist das Wort „Verräter“ nicht mehr aktuell. Man sagt heute wahlweise „Putin-Versteher“, „Kreml-Troll“, „Verschwörungstheoretiker“, „Anti-Amerikanismus“ und was sonst noch aktuell für Bezeichnungen kursieren. Eins haben alle diese Bezeichnungen gemein: Sie bezeichnen den genannten Menschen als Gegner der „westlichen Werte“ oder der Demokratie. Ergo: Es ist ein Verräter.

Es ist schockierend, aber die deutschen Medien betreiben tatsächlich Kriegspropaganda wie in den dunkelsten Zeiten der Geschichte. Und das nicht erst seit gestern, das geschah schon 1991 im Ersten Golfkrieg mit der Brutkastenlüge und wurde seit dem nicht etwa weniger, es wurde im Gegenteil mehr und die Techniken wurden immer weiter verfeinert.

Meinen Sie, es ist Zufall, wenn die Medien exakt nach dem Lehrbuch für Propaganda arbeiten?

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